Seite 2/3 Sportwoche, Nr. 48/30.11.04 Interview: Manfred Behr
Du warst darauf bedacht, banale Antworten zu vermeiden. Wie schwer war's, das durchzuhalten?
Ich weiß jetzt, wie es Spitzen-politikern geht. Wenn du jeden Tag zu allem Möglichen gefragt wirst, ist es unmöglich, stets geistreich und brillant zu sein. Selbst Thomas Gottschalk, der das viel besser beherrscht als ich, macht's nur dreimal pro Show, und er hat eine große Redaktion hinter sich. Ich bin kein Entertainer. Ich muss auch keiner sein.
Mit Andi Ivanschitz
Hast du die Lust an Interviews verloren?
Nein. Neue Fragen machen nicht weniger Spaß als früher. Wenn allerdings zu oft dieselben Fragen kommen, wird's langweilig. Für Zuhörer und Leser übrigens genauso. Wenn mich Reporter etwa immer wieder nach den Zielen bei der EM fragen, sind meine Möglichkeiten zu antworten doch sehr begrenzt: Gold, Platz eins, Sieg über 200 m Rücken. Manchmal wäre mir fast schon rausgerutscht: Lest doch einfach nach, was eure Kollegen schon geschrieben haben.
Welche Strategien hast du entwickelt, dich von den Medien abzugrenzen?
Ich grenze mich nicht ab. Aber bisweilen wäre mir weniger Medienaufmerksamkeit lieber. Zur Zeit finden die Medien fast alles interessant, was ich mache. Ein Beispiel: Neuerdings bin ich Mitglied des Wiener Basketballvereins BBC Energie. Wir sind ein aufstrebendes Team, Durchschnittsalter zirka 40 Jahre, wollen in die dritte Kreisliga aufsteigen. Im Spiel ist mir schon ein perfekter Dunk geglückt, ich war irrsinnig stolz. Kaum ist das bekannt geworden, haben Journalisten gefragt, ob sie nicht vorbeischauen können. Ich verlange die Aufmerksamkeit nicht. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf mich. Mich stört, wenn dann ein Adabei-Eindruck gefördert wird.
Apropos Medieninteresse. Bei kaum einem anderen Sportler waren die Verdienstsummen (450.000 Euro jährlich bis 2008) so schnell publik wie bei dir ...
Wenn die Nachfrage da ist, tun viele Leute so, als könnten sie genaue Berechnungen anstellen. Meist sind die Zahlen aber aus der Luft gegriffen.