Seite 1/3 Sportwoche, Nr. 48/30.11.04 Interview: Manfred Behr

"Ich halte öfter die Klappe!"
EM-Star Markus Rogan. Warum sich der "Big Fish" einen "Maulkorb" auferlegte, 2008 als IOC-Funktionär kandidieren will und sich für einen Wiener Basketballverein ins Zeug legt.
Zwei EM-Gold-, zwei olympische Silbermedaillen, Sportler des Jahres, Träger des goldenen Ehrenzeichens der Republik, Träger des "Vienna Civil Society Award" der UNO und des europäischen "Fair-Play-Award", fette Sponsorverträge. Kein Zweifel, es war das Jahr des Markus Rogan. Und es ist noch lange nicht vorbei. Bei der Heim-EM von 9. - 12.12. sollte der 22-Jährige neuerlich abräumen. Im Exklusiv-Interview mit der SportWoche spricht der Silberfisch über die Sonnen- und Schattenseiten des Rogan-Hypes.

Manfred Behr: Nach Wochen medialer Omnipräsenz ist die Zahl deiner Auftritte und Wortspenden spärlicher geworden. Ein bewusster Rückzug?
Markus Rogan: Stimmt, ich will mich aufs Schwimmen konzentrieren und beweisen, dass mir der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen ist. Ich musste deshalb viele Einladungen ablehnen, hab versucht, öfter die Klappe zu halten. Was mir anfangs zugegebenermaßen schwer fiel. Allerdings stimmt die Darstellung nicht, ich sei nach Athen plötzlich überall aufgetaucht. Früher hat's nur niemanden interessiert, wenn ich mir zum Beispiel ein Ländermatch angesehen hab.
Mit Stiefvater Dr. Michael Schmitz
Zuletzt wolltest du dich aber nicht einmal zum Ausgang der US-Wahl äußern. Eine deiner Kernkompetenzen.
Bei politischen Aussagen läuft man speziell in Österreich Gefahr, schubladisiert zu werden. Anfangs war's vielleicht jugendlicher Übermut, wenn ich unbekümmert etwas gesagt habe. Aber ich bin draufgekommen: Man kann sich nicht zu allem äußern, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Außerdem wurde ich mitunter missverstanden. Besonders wenn ich meine Gedanken in 15 TV-Sekunden oder zwei Sätzen rüberbringen sollte. Ich denke, es ist sinnvoll, wenn ich mich auf wenige positive Messages beschränke. So wie in meiner Rede bei der Verleihung des UNO-Ordens. Meine Kernaussage: Durch Sport lernt man, sich selbst zu respektieren.