Wenn man so schnell schwimmt wie möglich, achtet man auf die Schönheit?
Wenn du effizient schwimmst, schwimmst du am schönsten. Manchmal kannst du ein bisschen Effizienz opfern, um schneller zu sein. Sozusagen überdrehen, da du pro Unze mehr Kraft relativ weniger Geschwindigkeit dazu bekommst. Aber wenn du die rohe Kraft am Ende noch hast, kannst du sie reinhauen. Die höchste Geschwindigkeit ist ineffizient. Die besten Rennen sind die, wo du das nicht brauchst.
Das Schwere ist, das zu trainieren und im Wettkampf unter Panik einzuhalten. Wenn man Schönheit als Effizienz definiert, ist der effizienteste Zug der schönste.
Training setzt also die Schwelle der Schönheit immer weiter hinauf?
Genau. Im Training haben wir entdeckt, wenn ich hart schwimme, verkrampfe ich am Ende einer Serie. Wenn ich verkrampfe und im Gesicht die Anstrengung zeige und nicht kapiere oder umsetzen kann, dass ich die Muskeln locker lasse und woanders die Anstrengung zeige, bin ich ineffizient.
Ich muss mich schon anstrengen, aber die Kraft, mit der ich es ausdrücke, sparen. Ich muss sie woanders einsetzen, das ist sehr schwer.
Entspannen im Gesicht ist ein bewusst gesetztes Signal für den Körper, nicht zu verkrampfen?
Genau, denn du willst auf den letzten Metern irgendwie dem Trainer zeigen, dass du dich anstrengst. Oft wird Schwimmern vorgeworfen, dass es nicht anstrengend ist, was sie machen, und wenn ich noch die eigene Verkrampfung wegdenken muss, um Kraft anderswo einzusetzen, ist das fast kontraintuitiv.
Rogan ist als Spitzensportler ein Schönheitsideal und ein Sexsymbol. Er setzt das Kapital ja auch in der Werbung ein. Nicht so bewusst. Werbespots in der Badehose - nicht bewusst?
Da geht's eher um das Symbol des Schwimmers. Sehr subtil nur um Schönheit.
Die Absicht ist offensichtlich, einen schönen Körper zu zeigen, der noch dazu einen berühmten Namen hat.
Das fand ich immer komisch, vor allem, seit ich in der Werbung tätig bin, dass es etwas Besonderes ist, mit dem nackten Oberkörper irgendwo aufzutreten. Weil das immer Berufskleidung ist.
Das ist eine leise Neudefinition der Werte. Wenn das "Seitenblicke Magazin" ein Foto oben ohne will, ist das was anderes, als wenn irgendjemand beim Training fotografiert. Das musste ich erst definieren für mich, dass das zwei komplett verschiedene Dinge sind.
Weil es ihm so selbstverständlich ist, oben ohne zu sein?
Ja. Aber dann doch nicht. Weil es ausgenützt werden könnte.
("Was für ihn selbstverständlich ist, ist für die Societymagazine ein spezieller Approach. Wie erziele ich den größten Effekt? Die gehen mit ihm instrumentell um. In einer Illustrierten wurden die Leser aufgefordert, Beobachtungen einzuschicken, die auf eine Rogan-Krise hindeuten. Handyfotos erbeten! Leser als Paparazzi-Reserve!")
Hat er im Schülertheater gespielt? Vielleicht den jugendlichen Liebhaber?
Ich war einmal Butler in einem englischen Theaterstück im Gymnasium. Und einmal ein Räuber. Nein, ich war der, der verdächtigt wurde, die Juwelenkette gestohlen zu haben. Habe sie aber nicht gestohlen, weil sie eine reiche Dame gestohlen hatte. Ein kritisches Stück über Vorurteile, im Deutschunterricht.
Ich freu mich auf die Olympischen Spiele, vor allem, wenn ich wirklich in die Athleten-kommission gewählt werde und einen Teil der Abschlussrede halten darf. Vor zwei Milliarden Fernsehzuschauern. Das ist effizient. Das ist eine Bühne, wo ich weiß, das wird mir Spaß machen.
Alle vier Jahre ein Rennen, das ist es im Prinzip. Sonstige Botschaften außer der Schönheit des 200-m-Rückenschwimmens?
Ich bin darüber hinweg, dass ich der Welt irgendetwas sagen will.
Mit 23?
Ich bin dazu gezwungen worden, das zu lernen. Wenn du allen was sagen willst, hört keiner zu. Eine Botschaft für alle sechs Milliarden müsste so einfach sein, dass du dich selbst damit gar nicht definieren kannst. Eine Botschaft, die alle kennen, ist: Micky Maus ist lustig.
Live-8-Konzert für Afrika?
Da wird's schon kompliziert. Hilfe für die Armen war die Hauptbotschaft. Aber als der Tony Blair sich einsetzen und damit Stimmung machen wollte, wurde er kritisiert als Instrumentalist dieser Bewegung. Wenn du eine Botschaft überbringen willst, musst du dir genau ansehen, welche Multiplikatoren du dafür verwendest. Ich kann mir vorstellen, konkreter zu werden und bessere Botschaften zu überbringen. Was diese Botschaften genau sind, weiß ich allerdings noch nicht. ("Es gibt auch moralische Prinzipien, die durch die Familie da sind. Er will nur nicht der Belehrende sein, mit politischer Heilsbotschaft. Abgesehen davon, dass sich von einem Sportler sowieso keiner was sagen lässt.")
Und sonst?
Die Gesundheit und die Verantwortung dafür von Politikern und Leitfiguren. Und zusätzlich die öffentliche Darstellung. Am Beispiel Ariel Scharon. Der hatte schon einen kurzen Schlaganfall. Wo alle gesagt haben, der war nicht so wichtig, da ist nichts passiert.
Im Nachhinein gibt es Anzeichen, dass da schon was passiert ist. Ich will und kann jetzt nicht Scharon vom Schwimmbad aus kritisieren. Aber wenn jemand so eine Verantwortung trägt, dann hat er auch die Pflicht, auf sich selbst zu schauen und seinen Körper zu respektieren.
Das ist ja geradezu konterrevolutionär. Wie bleiben die Führer unserer Welt möglichst lange intakt?!
Wenn man in Wien eine Kampagne für Gesundheit und Fitness machen würde, wüsste jeder, welcher Politiker dabei am unglaubwürdigsten wäre. Weil man bestimmte Dinge selber leben muss, um sie glaubwürdig zu machen. Wer? Mir fällt jetzt der Name nicht ein. (lacht)
Spitzensportler müssen in eine Marktnische passen. Erfolg anstreben, Regeln befolgen, Werbung machen. Warum nicht ausbrechen und Surflehrer werden oder demonstrieren?
Man muss viele der Leute ansehen, die romantisierte und verheldete Revolutionisten waren. Che Guevara, wenn man sich den genauer anschaut, der hat viel gut gemacht, aber war ein bisschen ein hilfloser Romantiker. Was von den großen Revolutionären übergeblieben ist, ist der Kollege Castro oder eine Bruderschaft wie in Frankreich mit einer sehr ausgrenzenden Tätigkeit, wo nur die Brüder reindürfen.
Das eine ist die Haltung: Ich mach mir meine eigenen Vorschriften und Grenzen. Das andere ist, was daraus wird.
Ich finde meine eigenen Grenzen jeden Tag im Schwimmbecken. Die sind mir sehr bewusst. Meine Generation vertraut der älteren: Ihr habt die Grenzen schon gesucht und gefunden, zeigt sie uns. Wenn uns das eine oder andere nicht passt, versuchen wir das wieder zu ändern.
Aber es ist nicht Zeit für eine komplett neue Revolution, heute werden radikale Revoluzzer eher ausgelacht, eine Zeit lang war das cool. Aber wenn man versucht, die Revolution zu revolutionieren, dann wird es irgendwann einmal lächerlich.
("Markus ist bekannt als Sportler. Wenn er sich engagiert und glaubwürdig sein will, muss das was mit seinem Leben zu tun haben. Das ergibt Authentizität.
Außerdem sind da Themen, die ihm wichtig sind. Es hat beispielsweise bei uns immer eine klare Abgrenzung gegen Blau und Orange gegeben. Weil uns die Politik von Intoleranz, Ausgrenzen, Sündenböcke Suchen nicht passt.")
Ist durch das Schwimmen, durch die Angstbewältigung dort, die Sozialverträglichkeit gestiegen?
Wenn ich nicht schwimme, bin ich nervender, nervöser, schwitze mehr, bin unruhiger. Nicht durch schwimmerische Erfolge, aber durch eine Abreaktion meiner internen Aggression bin ich sozial kompetenter. Wenn ich zu lange Pause vom Schwimmen habe, schlafe ich viel zu wenig, schaue weniger auf meine Gesundheit, bin aggressiver.
Wie weit kann das gehen?
Vom Trainingsaufwand her könnte ich es fast verdoppeln. Wir sind zehn Wochen im Trainingslager, das ginge bis zu vierzig Wochen. Wenn ich biologisch Zeit hätte, könnten wir da in zehn Jahren hinkommen. Was das zeitlich bringen würde?
Wahrscheinlich verschwindend wenig, weil du zehn Prozent mehr trainieren musst, um dich ein halbes Prozent zu verbessern. Was wir bis 2008 lernen werden, ist, das Training noch effizienter zu gestalten. Dass wirklich irgendwann jeder Meter seine Rolle hat. Da sind wir schon sehr weit, auch im Feld neben dem Training. Das wird immer wichtiger, im Wasser kann ich nicht mehr viel effizienter sein.
Hat der Weltrekord das Geschäft angekurbelt?
Er hat es eher bestätigt. Dass ich richtig arbeite. Und er hat meiner Application für die Business School geholfen.
Was wird das mit der Business School?
Manager im weitesten Sinn. Am liebsten würde ich direkt in einen Firmenvorstand gehen.
Und die Branche?
Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Es wird wahrscheinlich nicht Halliburton sein.
