Seite 3/3, Artikel 11. / 12. Dezember 2004, Neue Zürcher Zeitung; Christof Gertsch
Markus Rogan hat zweifellos Spass am Schwimmen. Längst aber plant er seine Zeit nach dem Profisport - und freut sich schon jetzt irrsinnig darauf. Er würde gerne Athletensprecher werden im Internationalen Olympischen Komitee, vielleicht aber werde er dereinst auch in der Wirtschaft aktiv. Dass er seine Zukunft nicht unbedingt in der österreichischen Politik sieht, mag man verstehen. Dass die Politik aber überhaupt eine Option ist für ihn, die zu erwähnen er offensichtlich für wichtig genug hält, sagt genug über die Person Markus Rogan.
Selbstvertrauen und Arroganz
«Ich habe das Glück, ein phantastisches Leben vor mir zu haben, von dem viele träumen», sagt Markus Rogan und macht klar, dass er nicht lediglich auf seinen Sport reduziert werden will. Sich selber bezeichnet er als reflektiert - und mit einem Hang zum Narzissmus. Er möge es, im Mittelpunkt zu stehen. «Ich sehe aber auch die Gefahr, die sich hinter dieser Liebe verbirgt.» Zwar fürchte er sich nicht vor jenem Moment, an dem der sportliche Erfolg ein Ende habe. Ausgerechnet durch das Schwimmen nämlich habe er gelernt, Respekt vor sich selber zu haben, auf sich zu hören, das Beste aus sich zu machen. «Aber ich muss aufpassen, dass ich mich nicht vor die Kameras dränge, wenn man sich irgendwann nicht mehr für mich interessieren sollte.» Er versteht das als Grenzgang zwischen Selbstvertrauen und Arroganz.Im Schwimmen gibt es nicht viele Superstars. Erst recht nicht in Österreich, in jenem Land, das vor den Silbermedaillen Markus Rogans zuletzt 1912 eine olympische Medaille in dieser Sportart gewonnen hatte. Der Mann begeistert. Er will in den Olymp - und kein One-Hit-Wonder sein. Da geht es ihm wie Opernsänger und Startenor Neil Shicoff, den er kürzlich getroffen hat und den er als einen jener berühmten Menschen bezeichnet, deren Persönlichkeit ihn wirklich beeindruckt hat. «Der ist noch schlagfertiger als ich.»