Seite 3/5 Artikel News Nr.8 24.02.2005

Wie viel trainieren Sie derzeit?
Wenn es viel ist, 10-mal die Woche, fünf Stunden am Tag. Aber natürlich ist Training nicht gleich Training. Manchmal geht es ums Lockerlassen, ums Ausschwimmen, manchmal um Muskelaufbau und Willensstärkung.
Vielleicht ergibt sich der richtige Zeitpunkt für eine Lebensänderung auch ohne klar definierte sportliche Kriterien, durch psychologische etwa: Wenn man das Gefühl hat, andere Lebensprioritäten zu entwickeln, aus höchst persönlichen Entwicklungen etwa, für die es nicht so klare Erfolgsparameter gibt wie Bestzeiten oder Medaillen.
Sicher. Aber das werde ich in meiner nächsten Karriere vermissen: dass ich nicht so klar sagen werde können, ich bin da der Beste und dort nicht. Obwohl es beim Spitzensport auch ein bisschen so ist: Es gibt zwar ein klares Erfolgskriterium, aber man müsste schon ein bisschen tiefer gehen und sich fragen, was gibt man auf für welchen Erfolg?
Was haben Sie bisher aufgegeben für Ihre Karriere?
Ich hätte sicher bessere Noten auf der Uni haben können, wenn ich nicht so viel geschwommen wäre. Ich hatte einen Notendurchschnitt von 1,7.
Nicht schlecht für Stanford.
Aber eine Fortsetzung in Harvard kann ich mir abschminken damit. In der Highschool dagegen war ich ein besserer Schüler als Schwimmer.
Sonst wurde nichts zurückgestellt? Freunde, vor allem Freundinnen, Amüsieren?
Ich war in den ersten Highschool-Jahren sicher ein Streber. Und anfangs deshalb gar nicht beliebt: Als der Chef einer Schulgang einen meiner so genannten Streberfreunde zusammengeschlagen hat, wollte der das dem Schuldirektor sagen, das hätte mit einer Vorstrafe geendet. Da habe ich stattdessen emotionales Pressing vorgeschlagen. Wir haben die Angst umgedreht, das hat funktioniert. Richtig akzeptiert war ich aber, als mit Stanford eine der besten Unis der Welt mich für ihr Schwimmteam anforderte. Dazu waren aber auch halbwegs gute Noten und ein eigenes positives Testergebnis nötig.
Aber auch sportliche Spitzenleistungen. In Österreich hat der Sport keinen so hohen Stellenwert bei der Ausbildung.
In anderen Sportarten schon, etwa beim Ski- und jetzt auch beim Fußballsport. Und im Schwimmsport werden solche Modelle gerade diskutiert. Aber es stimmt: Um in Stanford reinzukommen, muss man entweder sehr vermögend sein oder Spitzenleistungen bringen, um ein Stipendium zu bekommen. Immerhin kostet das Studium alleine 40.000 Dollar jährlich.